Vom Lösen der Knoten oder die Passion des Tango

Olaf Schrage über den Tangounterricht von Jörg Fischer

Meine Freundin Katharina besitzt einen langen Atem. Gut ein halbes Jahr lang fragte sie mich immer wieder freundlich und mit der Geduld eines Engels, wann ich denn zum Tango-Kurs käme. Eine Zeitlang schob ich, mich entschuldigend, meine Verpflichtungen als Salsa-Tänzer vor. Zwar gefiel mir die Tangomusik immer schon recht gut. Aber selbst Tango zu tanzen, das kam mir dann doch reichlich unpassend vor. Meine Vorstellung bevölkerten nämlich jene äußerst „speziellen“ Tänzerinnen und Tänzer, von denen ich annahm, sie würden alle zum Lachen in den Keller gehen. Das Schlimmste für mich war das innere Bild eines Gamaschenschuhe tragenden „Herrn“, der finsteren Blickes eine ihm niemals ein Lächeln schenkende Dame durch den Raum schiebt, die Haare von Pomade triefend … Wobei ich schon anders über die ganze Sache dachte, wenn ich Al Pacino in „Der Duft der Frauen“ Tango tanzen sah … Wow! Das hat doch Stil! Aber ich selbst als Tango Tänzer??? Besser nicht! So dachte ich lange Zeit. Irgendwann musste ich mir jedoch eingestehen, dass meine Neugierde obsiegt hatte.

So kam es, dass ich Anfang 2010 im Kurs von Jörg Fischer landete. Das war mein Glück! Denn abgesehen davon, dass da lauter „normale“ Leute sind, lernte ich Jörgs Art zu unterrichten schnell zu schätzen. Jörg besitzt genau die Eigenschaften, die ich mir von meinem Tanzlehrer wünsche: Sorgfalt, Genauigkeit, Geduld, Humor und die gebotene Flexibilität, auf jeden individuell einzugehen. Hinzu kommt eine gewisse Unnachsichtigkeit, die mir gefällt, weil ich merke, wie sie mich weiter bringt. Außerdem habe ich von der ersten Stunde an gespürt: Hier ist jemand, der seine Sache ernst nimmt! Der sich nicht damit zufrieden gibt, zu sagen „Geht doch schon ganz gut!“ Nein, vielmehr einer, der aus Leidenschaft für den Tango unterrichtet.

Manchmal tanzt während des Unterrichts mein Ehrgeiz mit. Prompt „stolpere“ ich über meine eigenen Füße. Sofort ist Jörg zur Stelle, schaut zu, schaut hin, überlegt, nimmt die zu tanzende Figur in ihre Einzelteile auseinander und schlägt mir vor: „Probier mal Folgendes!“ Aus dem Stegreif hat er extra für mich eine Übung entwickelt. So als hätte ich Einzelunterricht, obwohl ja noch andere Lernende da sind. Habe ich mich heillos in den Windungen einer Tanzfigur oder den eigenen Gewohnheiten verstrickt, löst Jörg behutsam die Knoten und sorgt ohne große Worte dafür, dass ich weiter gehen kann. Was für das Tangotanzen entscheidend ist, denn was ist Tango anderes als „Gehen“?! Dieses Gehen ist nicht ganz einfach (hat ja auch niemand gesagt!) und erfordert Geduld mit sich selbst. Doch die Mühe lohnt sich, weil Freude, Begeisterung und Leidenschaft für den Tango alles aufwiegen.

Übrigens: Sollte ich dienstags mal nicht am Tango Kurs teilnehmen können, so fehlt mir etwas. Wenn das kein klares Zeichen für eine Sucht ist!

Olaf Schrage, Minden

17. Februar 2011 von Lutz
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